Sprach- & Integrationsmittler/-in

0
4591
EIZ Berlin - Integrationsmittler

Profil

In erster Linie dolmetschen Sprach- und Integrationsmittler fachmännisch. Zudem erlaubt ihnen ihre Ausbildung aber auch auf individuelle Bedürfnisse der jeweiligen Kommunikationspartner einzugehen und so eine aussöhnende Vermittlung zwischen den Interessen Personen verschiedener Herkunft zu erreichen. Nicht die Wort zu Wort Übersetzung steht im Fokus der Arbeit der Sprach- und Integrationsmittler, sondern die Überwindung von kulturell bedingten kommunikativen Missverständnissen und die Vermittlung von Fachwissen im Bereich des Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesens.

Die Unterstützung der Sprach- und Integrationsmittler kann vielfältig sein:

  • Begleitung bei Behördengängen
  • Dolmetscherdienste
  • Vermittlungstätigkeiten in Schulen, Kitas, etc.
  • Beratung in verschiedenen Lebenssituationen
  • Informationsbeschaffung zu verschiedenen Themen wie Bildung, Altersvorsorge, Gesundheit, etc.

Neben dem Erlernen von Faktenwissen geht es in der Weiterbildung insbesondere um die Schulung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen zur Förderung des interkulturellen Handelns und darüber hinaus um den Aufbau eines Netzwerkes von Sprach- und Integrationsmittlern in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen.

Daten und Fakten im Überblick

Sprach- und Integrationsmittler werden durch die Kommunen bzw. durch das Europäische Integrationszentrum (EIZ) koordiniert. Die Möglichkeiten für MigrantInnen, durch Sprach- und Integrationsmittler begleitet zu werden, werden sowohl innerhalb der Verwaltung als auch in der Öffentlichkeit beworben. Alle Institutionen, deren Schwerpunkt auf Integrations- und Migrationsarbeit liegt, kommen als Einsatzgebiete für Sprach- und Integrationsmittler in Frage.

  • Große Wohltätigkeitsorganisationen
  • Migrationsdienste/ Jugendmigrationsdienste, Migrantenselbstorganisationen
  • Krankenhäuser
  • Familienberatungsstellen
  • Staatliche Behörden, Ausländerbehörden
  • Bezirksämter und Senatsverwaltungen

Personen mit Migrationshintergrund oder langjähriger Auslandserfahrung, die über eine Berufsqualifikation oder Vorerfahrungen im Bereich Sprachmittlung verfügen. Vorkenntnisse in der Integrationsarbeit sind erwünscht, aber auch der Quereinstieg ist möglich.

Für eine Bewerbung müssen Interessierte folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Schulabschluss der mittleren Reife (Realschulabschluss) oder vergleichbare Kenntnisse und Erfahrungen
  • Muttersprachliche Kenntnisse in einer relevanten Einwanderungssprache (C1 in Wort und Schrift)
  • Deutschkenntnisse (mindestens B1 Niveau)
  • ausgeprägtes Interesse an der Thematik

Die Fortbildung kann durch das Jobcenter bzw. die Bundesagentur für Arbeit mittels Bildungsgutschein (Maßnahmenummer 922/294/18) und die Rentenversicherung gefördert werden.

Folgenden Kompetenzen und Inhalte werden vermittelt:

Modul 1: Einführung in das Community Interpreting

Dieses Modul fungiert als allgemeine Einführung und Übersicht über die Kernpunkte und zentralen Inhalte der Weiterbildung zum/zur Sprach- und Integrationsmittler/-in

  • Definieren und Abgrenzung der Tätigkeit Übersetzen, Dolmetschen, Konferenzdolmetschen und Community Interpreting
  • Definition und Subtypen des Community Dolmetschen (Behördedolmetschen, Bildungsdolmetschen, Krankenhausdolmetschen,)
  • Rolle des/der Sprachmittlers/-in
  • Abgrenzung des Community Interpreting gegenüber Gerichtsdolmetschen / anderen Arten des Dolmetschens
  • Ehrenkodex
  • Charakterisika der institutionellen Kommunikation
  • Auftragsmanagement

Modul 2: Institutionswissen

Den Teilnehmenden werden in diesem Modul Grundlagen der Institutionen der sozialen Arbeit und sozialer Arbeitsfelder vermittelt. Diesbezüglich werden verschiedene Handlungsstrategien, ausgewählte Theorien und die soziale Netzwerkarbeit untersucht. Im Fokus steht hier insbesondere die gesellschaftliche Entwicklung. Des weiteren werden verschiedenen Organisationsformen vorgestellt und mögliche Tätigkeitsfelder beschrieben.

  • Geschichte und Theorien von Institutionen
  • Handlungsfelder und Methoden (siehe Modul 5)
  • Einsatzmöglichkeiten von Sprach- und Integrationsmittler/-innen

Modul 3: Erfahrung von Migration – Integration – Diskriminierung und Diversity Management

Dieses Modul soll den/die angehenden Sprach- und Integrationsmittlern/in einen fundierten Überblick über das Feld der Migration aus soziologischer Perspektive verschaffen. Zudem beschäftigt sich das Modul mit Grundlagen der Integration, analysiert Integrationsmodelle, diskutiert die Frage von Identität, untersucht den Zusammenhang von Sprache und Bildung und beschäftigt sich mit den Themenfeldern Toleranz, Diskriminierung und Rassismus.

  • Grundlagen Diversity, Umgang mit Differenz
  • Diskriminierung, Soziale Ausgrenzung, Antidiskriminierungspraktiken
  • Geschichte und    Soziologie    der Migration.
  • Integration und Partizipation
  • Charakteristika der Phasen der Migration
  • Community-Bildung, Heterogenität
  • Rahmenbedingungen der    Integration und Partizipation
  • Partizipationsmöglichkeiten
  • Integration- und Community Diskurs (Soziologische Ebene; Politiker-, Medien- und Alltagsdiskurse)

Modul 4: Persönliche Kompetenzen und Interkulturelle Kompetenzen

In diesem Modul erhalten die Teilnehmer/-innen der Weiterbildung eine Einführung in verschiedene Schwerpunkte der Psychologie. Einleitend beschäftigt sich das Modul mit den Grundlagen der verbalen und nonverbalen Kommunikation und Aushandlungs-prozessen. Es werden zudem relevante psychologisch Grundkenntnisse im Bezug auf Kinder -, Jugend- und Familienarbeit vermittelt.

Im zweiten Teil dieses Moduls sollen den Teilnehmern/innen grundlegende Instrumente zur interkulturellen Konfliktprävention und Mediation vermittelt werden. Das Modul untersucht Kommunikation, Kulturstandards und Kulturkategorien aus internationaler und interkultureller Perspektive. Dabei werden Begriffe wie interkulturelle Kommunikation, Sensibilisierung, Öffnung und Kompetenz thematisiert. Auch der Umgang mit Fremden und Fremdheit und dadurch entstehende Konfliktpotentiale im Integrationsprozess, wie interkulturelle Missverständnisse, finden Berücksichtigung.

  • Selbstwahrnehmung, Selbstkonzept
  • Empowerment
  • Identitätskonzepte
  • Gruppendynamik
  • Teamfähigkeit
  • Grundlagen Kommunikation
  • Konzepte Kommunikation
  • Kommunikationsstrategien
  • Psychologische Grundlagen
  • Kooperations- und Vernetzungsformen
  • Kompetenzen im    Umgang    mit  Institutionen und Migrantencommunities
  • Konfliktmanagement, Gewaltdeeskalation
  • „Kultur“ –Konzepte
  • Interkulturelle Kommunikation
  • Interkulturelle Öffnung, Interkulturelle Kompetenz
  • Interkulturelle und interreligiöse Arbeit

Modul 5: Dometsch und Übersetzungstechniken + Praxisübungen

In diesem Modul erhalten die Teilnehmer/-innen der Weiterbildung eine theoretisch-praktische Einführung in die Übersetzung. Es werden Grundlagen des Dolmetschens als handlungsorientierte, fachkundige Mittlerarbeit vermittelt. Dabei liegt der Fokus sowohl auf dem Kennenlernen und Erlernen verschiedener Methoden und Grundkonzepte zur Sprachmittlung als auch auf dem Aspekt der Körpersprache beim Übersetzen.

Zudem sollen die angehenden Sprach- und Integrationsmittler/-innen auch das Dolmetschen als dreiseitige Kommunikationssituation trainieren, da die Mittlung zwischen Aufnahmegesellschaft und Migrant essentiell für die Tätigkeit der Absolventen ist.

Die Lerneinheit soll die Reflexion der eigenen Kommunikationsweise schulen und durch theoretischen Input das professionell, transparente Übersetzen ermöglichen.

  • Rolle der Sprachmittler/-innen. Umgang mit Rollenkonflikten
  • Kommunaldolmetschen
  • Kompetenzen und Kompetenzmodelle. Qualitätsmerkmale.
  • Professionelle Distanz/Empathie
  • Dolmetschen im Trialog
  • Einführung in die Methode „Dolmetschinszenierung“
  • Umgang mit Dilemma-Situationen
  • Konsekutivdolmetschen
  • Dolmetschprozess
  • Umgang mit Korrektur
  • Notiztechnik
  • Dolmetscher/-innen als Kulturmittler/-innen. Verfremdung, Kulturalisierung
  • Gesprächssteuerung, Interventionsmöglichkeiten
  • Rhetorikübungen, Stimm- und Körpertraining
  • Präsentations- und Moderationstechniken

Modul 6: Tätigkeitsfelder des Kommunaldolmetschens

Den Teilnehmenden werden in diesem Modul grundlegende Kenntnisse der in der Integrationsarbeit relevanten Verwaltungs- und Behördenstrukturen sowie relevanten Rechtsbereiche, wie Asyl-, Familien-, Arbeits- und Aufenthaltsrecht vermittelt. Ein besonderer Fokus liegt im Bereich der Netzwerke der öffentlichen und freien Träger, sowie dem Asylrecht.

Die medizinische Versorgung von neuzugewanderten aber auch schon länger in Deutschland lebenden Migrant/innen mit geringen Deutschkenntnissen stellt eine große Herausforderung dar. Oftmals scheitert die medizinische Versorgung an der missverständlichen Kommunikation zwischen Patient_in und dem medizinischen Fachpersonal. In dem Modul Gesundheitswesen erhalten angehenden Sprach- und Integrationsmittlern eine Einführung in medizinische Grundlagen und das Gesundheitswesen. Sie lernen die wesentlichen Grundzüge des deutschen Gesundheits- und Krankenversicherungssystems, aber auch medizinische Fachtermine und Krankheitsverläufe kennen.

L1 – Erziehungs- und Bildungswesen

  • Grundlagen der Entwicklungspsychologie
  • Transfer in die Einwanderungssituationen
  • Kindertagesstätte und Schule
  • Einsatzmöglichkeiten von Sprach- und IntegrationsmittlerInnen (Elternarbeit u.a.)

L 2 – Gesundheitswesen

  • Gesundheitswesen
  • Gesundheit und Krankheit
  • Einsatzmöglichkeiten von Sprach- und Integrationsmittler_innen

L 3 – Rechtswesen

  • Einführung in die Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe der relevanten Ämter und Behörden
  • Aufbau des Bezirks und seiner Strukturen
  • Grund- und Regelversorgung
  • Bezirksverwaltung
  • Systeme (Bildung, Versicherung, Wohnungsmarkt, Polizei)
  • Einrichtungen und Institutionen
  • Netzwerk öffentlicher und freier Träger
  • Ansprechpartner/innen
  • Staatskunde und Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland
  • Einführung in deutsches Asyl-, Familien-, Arbeits- und Aufenthaltsrecht
  • Strukturen und Methoden von Arbeitsmarkteingliederung, Bildungsmaßnahmen und weiteren sozialen Fragen
  • Einführung in die Zuwanderungspolitik der Bundesrepublik Deutschland
  • Einführung in das Grundgesetz

Modul 7: Begleitung in die berufliche Tätigkeit

Am Ende der Weiterbildung erhalten die Teilnehmer genaue Informationen über mögliche Wege und Möglichkeiten in den Arbeitsmarkt, der auch eine (Teil)Selbstständigkeit einschließt. Das abschließende  Bewerbungstraining bereitet  auf die potentiellen Tätigkeitsfelder als Sprach- und Integrationsmittler/-in vor.

Im Coaching werden die Teilnehmer/-innen dahingehend geschult, ihre sozialen, fachlichen und methodischen Fähigkeiten und Kompetenzen zu reflektieren und gewinnbringend für ihr Berufsfeld einzusetzen. Dabei werden sowohl Anschreiben und Lebenslauf optimiert, als auch das Auftreten im Bewerbungsgespräch trainiert.

  • Wirtschaftliche Selbstständigkeit
  • Wege in die Teilselbstständigkeit
  • Bewerbungstraining und Job-Coaching

Modul 8: Fachbezogenes Deutsch

Das Modul Fachbezogenes Deutsch kann ergänzend zu den übrigen Modulen gesehen werden. Die Teilnehmer trainieren und vertiefen in dieser Lerneinheit ihre Deutschkenntnisse bezüglich inhaltlicher Schwerpunkte der Weiterbildung. Dabei werden sowohl die rezeptiven als auch die produktiven Fertigkeiten des Spracherwerbs geschult.

  • Schulung der rezeptiven Fertigkeiten Lesen und Hören
  • Schulung der produktiven Fertigkeiten Schreiben und Sprechen
  • Vermittlung von Fachvokabular

Dauer:
ca. 12 Monate

Schulungszeiten:
Montag bis Freitag von 9.00-16.00 Uhr

Schulungsort:
Europäisches Integrationszentrum Berlin
Harzer Straße 51-52
12059 Berlin

Anmeldung und Kontakt

Bei Interesse können Sie sich für dieses Schulungsangebot bei uns bewerben. Ihre Unterlagen senden Sie bitte per E-Mail, Fax oder auf postalischem Weg an:

Europäisches Integrationszentrum Berlin
Harzer Straße 51-52
12059 Berlin
eMail: info@eiz-berlin.de

Bitte reichen Sie folgende Unterlagen ein:

  • Anschreiben
  • Tabellarischer Lebenslauf
  • 1 Lichtbild
  • Kopie des Schulabschlusszeugnisses oder des letzten Zeugnisses
  • Kopien der Ausbildungszeugnisse (wenn vorhanden)
  • Kopien der Arbeitszeugnisse (wenn vorhanden)

Anmelde-Formular

Mit unserem Online-Formular können Sie unverbindlich mit uns in Kontakt treten und Ihr Anliegen mitteilen. Das Team der EIZ Berlin wird Ihre Anfrage schnellstmöglich beantworten.