Sprach- & Integrationsmittler/-in

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EIZ Berlin - Integrationsmittler

Profil

In erster Linie dolmetschen Sprach- und Integrationsmittler fachmännisch. Zudem erlaubt ihnen ihre Ausbildung aber auch auf individuelle Bedürfnisse der jeweiligen Kommunikationspartner einzugehen und so eine aussöhnende Vermittlung zwischen den Interessen Personen verschiedener Herkunft zu erreichen. Nicht die Wort zu Wort Übersetzung steht im Fokus der Arbeit der Sprach- und Integrationsmittler, sondern die Überwindung von kulturell bedingten kommunikativen Missverständnissen und die Vermittlung von Fachwissen im Bereich des Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesens.

Die Unterstützung der Sprach- und Integrationsmittler kann vielfältig sein:

  • Begleitung bei Behördengängen
  • Dolmetscherdienste
  • Vermittlungstätigkeiten in Schulen, Kitas, etc.
  • Beratung in verschiedenen Lebenssituationen
  • Informationsbeschaffung zu verschiedenen Themen wie Bildung, Altersvorsorge, Gesundheit, etc.

Neben dem Erlernen von Faktenwissen geht es in der Weiterbildung insbesondere um die Schulung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen zur Förderung des interkulturellen Handelns und darüber hinaus um den Aufbau eines Netzwerkes von Sprach- und Integrationsmittlern in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen.

Daten und Fakten im Überblick

Sprach- und Integrationsmittler werden durch die Kommunen bzw. durch das Europäische Integrationszentrum (EIZ) koordiniert. Die Möglichkeiten für MigrantInnen, durch Sprach- und Integrationsmittler begleitet zu werden, werden sowohl innerhalb der Verwaltung als auch in der Öffentlichkeit beworben. Alle Institutionen, deren Schwerpunkt auf Integrations- und Migrationsarbeit liegt, kommen als Einsatzgebiete für Sprach- und Integrationsmittler in Frage.

  • Große Wohltätigkeitsorganisationen
  • Migrationsdienste/ Jugendmigrationsdienste, Migrantenselbstorganisationen
  • Krankenhäuser
  • Familienberatungsstellen
  • Staatliche Behörden, Ausländerbehörden
  • Bezirksämter und Senatsverwaltungen

Personen mit Migrationshintergrund oder langjähriger Auslandserfahrung, die über eine Berufsqualifikation oder Vorerfahrungen im Bereich Sprachmittlung verfügen. Vorkenntnisse in der Integrationsarbeit sind erwünscht, aber auch der Quereinstieg ist möglich.

Für eine Bewerbung müssen Interessierte folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Schulabschluss der mittleren Reife (Realschulabschluss) oder vergleichbare Kenntnisse und Erfahrungen
  • Nachweis in einer inner- oder außereuropäischen Sprache (C1 in Wort und Schrift)
  • Nachweis von Deutschkenntnissen mindestens B2
  • ausgeprägtes Interesse an der Thematik

Folgende Voraussetzungen werden als erwünscht angesehen:

  • Soziales Engagement, Community-Arbeit
  • Erfahrungen im Dolmetschen
  • Nachweis einer Drittsprache (äquivalent zum europäischen Referenzrahmen C1)
  • Kenntnisse über gesellschaftliche und administrative Strukturen in den Herkunftsländern der Migranten

Die Fortbildung kann durch das Jobcenter bzw. die Bundesagentur für Arbeit mittels Bildungsgutschein (Maßnahmenummer 922/26/15) und die Rentenversicherung gefördert werden.

Folgenden Kompetenzen und Inhalte werden vermittelt:

Modul 1: Theorie & Praxis des Dolmetschens
In diesem Modul erhalten die Teilnehmer der Weiterbildung eine theoretisch-praktische Einführung in die Übersetzung. Es werden Grundlagen des Dolmetschens als handlungsorientierte, fachkundige Mittlerarbeit vermittelt. Dabei liegt der Fokus sowohl auf dem Kennenlernen und Erlernen verschiedener Methoden und Grundkonzepten zur Sprachmittlung als auch auf dem Aspekt der Körpersprache beim Übersetzen.

Zudem sollen die angehenden Sprach- und Integrationsmittler auch das Dolmetschen als dreiseitige Kommunikationssituation trainieren, da die Mittlung zwischen Aufnahmegesellschaft und Migrant essentiell für die Tätigkeit der Absolventen ist.

Die Lerneinheit soll die Reflexion der eigenen Kommunikationsweise schulen und durch theoretischen Input das professionell, transparente Übersetzen ermöglichen.

  • Methoden des Dolmetschens
  • Grundkonzepte des Dolmetschens
  • Die Körpersprache als Werkzeug des Dolmetschens
  • Sprachmittlung als dreiseitige Kommunikationssituation
  • freies vs. wörtliches Übersetzen

Modul 2: Integration & Migration
Dieses Modul soll den angehenden Sprach- und Integrationsmittlern einen fundierten Überblick über das Feld der Migration aus soziologischer Perspektive verschaffen. Zudem beschäftigt sich das Modul mit Grundlagen der Integration, analysiert Integrationsmodelle, zeigt die Integrationspolitik Deutschlands und ausgewählter Länder auf, diskutiert die Frage von Identität, untersucht den Zusammenhang von Sprache und Bildung und beschäftigt sich mit den Themenfeldern Toleranz, Diskriminierung und Rassismus.

  • Geschichte und Soziologie der Migration: Überblick über Migrationstheorien, Herausforderungen und Chancen der Migration
  • Community-Bildung, Heterogenität
  • Migration, Flucht und Asyl: Motive, Gründe, Wege, Erlebnisse
  • Grundlagen der Integration, Integrationsmodelle, Integrationspolitik ausgewählter Länderbeispiele
  • Toleranz, Integration und Rassismus
  • Identität
  • Sprache und Bildung, Zweit- und Mehrsprachenerwerb und Migrantensprachen
  • Integrationskonzepte: Integration und Partizipation
  • Fallstudien – Was kann man lernen?
  • Migrations- und Integrationsberatung

Modul 3: Soziale Arbeit

Den Teilnehmenden werden in diesem Modul Grundlagen der sozialen Arbeit und sozialer Arbeitsfelder vermittelt. Dabei wird ein Schwerpunkt auf Intervention, Empowerment, soziale Netzwerkarbeit und Handlungsstrategien der sozialen Arbeit gelegt.

Außerdem wird das Fach der sozialen Arbeit im Hinblick auf gesellschaftliche Entwicklungen betrachtet und in ausgewählte Theorien eingeführt. Die verschiedenen Organisationsformen der sozialen Arbeit werden vorgestellt und mögliche Tätigkeitsfelder beschrieben.

Ein besonderer Fokus liegt zudem auf der sozialen Kinder- und Jugend- bzw. Familienarbeit. Bildungsvoraussetzungen und Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder eigener Fluchterfahrung werden ebenso thematisiert wie Kinder- und Jugendhilfe sowie Elternarbeit.

  • Geschichte, Theorie und Institutionen der sozialen Arbeit
  • Handlungsfelder und Methoden der sozialen Arbeit
  • Kinder-, Jugend- und Familienarbeit

Modul 4: Interkulturelle und interreligiöse Kompetenz
In diesem Modul sollen den Teilnehmern grundlegende Instrumente zur interkulturellen und interreligiösen Konfliktprävention und Mediation vermittelt werden. Das Modul untersucht Kommunikation, Kulturstandards und Kulturkategorien aus internationaler und interkultureller Perspektive. Dabei werden Begriffe wie interkulturelle Kommunikation, Sensibilisierung, Öffnung und Kompetenz thematisiert. Auch der Umgang mit Fremden und Fremdheit und dadurch entstehende Konfliktpotentiale im Integrationsprozess, wie interkulturelle Missverständnisse, finden Berücksichtigung.

Im Bereich der interreligiösen Arbeit wird in die Grundlagen und die Geschichte der Weltreligionen eingeführt. Der Islam, das Christentum, das Judentum, der Buddhismus und Hinduismus werden im religionsrechtlichen Vergleich erörtert. Zudem beschäftigt sich das Modul mit den Wechselwirkungen zwischen Staat, Politik und Religion.

Ziel des Moduls ist es folgende Inhalte zu vermitteln:

  • Kultur-Kommunikation-Interkulturalität
  • Zur Kulturgebundenheit unseres Wahrnehmens, Denkens und Handelns
  • Der Umgang mit Fremden und Fremdheit
  • Interkulturelles Lernen, Interkulturelle Personalentwicklung
  • Praxis: Interkulturelle Arbeit in Migranten-selbstorganisationen
  • Einführung in Grundlagen und Geschichte der Weltreligionen
  • Die Weltreligionen im religionsrechtlichen Vergleich
  • Interreligiöse Kommunikation auf der praktischen und kognitiven Ebene
  • Staat, Politik und Religion

Modul 5: Gesundheitswesen

Die medizinische Versorgung von neuzugewanderten aber auch schon länger in Deutschland lebenden Migrant/innen mit geringen Deutschkenntnissen stellt eine große Herausforderung dar. Oftmals scheitert die medizinische Versorgung an der missverständlichen Kommunikation zwischen Patient/in und dem medizinischen Fachpersonal. In dem Modul Gesundheitswesen erhalten angehenden Sprach- und Integrationsmittlern eine Einführung in medizinische Grundlagen und das Gesundheitswesen. Sie lernen die wesentlichen Grundzüge des deutschen Gesundheits- und Kranken- versicherungssystems, aber auch medizinische Fachtermini und Krankheitsverläufe kennen.

  • Einführung in das Gesundheitswesen
  • Grundbegriffe der Medizin
  • Gesundheitsvorsorge und Therapiemöglichkeiten

Modul 6: Staats- & Rechtskunde
Den Teilnehmenden werden in diesem Modul grundlegende Kenntnisse der in der Integrationsarbeit relevanten Verwaltungs- und Behördenstrukturen sowie relevanten Rechtsbereiche, wie Asyl-, Familien-, Arbeits- und Aufenthaltsrecht vermittelt. Ein besonderer Fokus liegt im Bereich der Netzwerke der öffentlichen und freien Träger, sowie dem Asylrecht.

  • Einführung in die Zuständigkeiten und Arbeitsabläufe der relevanten Ämter und Behörden
  • Aufbau des Bezirks und seiner Strukturen
  • Grund- und Regelversorgung
  • Bezirksverwaltung
  • Systeme (Bildung, Versicherung, Wohnungsmarkt, Polizei)
  • Einrichtungen und Institutionen
  • Netzwerk öffentlicher und freier Träger
  • Ansprechpartner/innen
  • Staatskunde und Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland
  • Einführung in deutsches Asyl-, Familien-, Arbeits- und Aufenthaltsrecht
  • Strukturen und Methoden von Arbeitsmarkteingliederung, Bildungsmaßnahmen und weiteren sozialen Fragen
  • Einführung in die Zuwanderungspolitik der Bundesrepublik Deutschland
  • Einführung in das Grundgesetz

Modul 7: Grundlagen der Psychologie
In diesem Modul erhalten die Teilnehmer der Weiterbildung eine Einführung in verschiedene Schwerpunkte der Psychologie. Einleitend beschäftigt sich das Modul mit den Grundlagen der verbalen und nonverbalen Kommunikation und Aushandlungs-prozessen. In einer weiteren Lerneinheit wird ein Basiswissen zu psychischen Erkrankungen vermitteln, die besonders in Zusammenhang mit Migrations- oder Fluchterfahrungen auftreten können. Zudem werden psychologische Grundkenntnisse auch im Zusammenhang mit Kinder-, Jugend- und Familienarbeit im Rahmen der Entwicklungspsychologie erörtert.

  • Reflexion und Selbstreflexion: die Bedeutung und Wirkmacht der verbalen und nonverbalen Kommunikation
  • Wege zu einem effektiven Selbstmanagement : Identitätskonzepte und Selbstwahrnehmung
  • Einführung in die Entwicklungspsychologie – Lernen und Entwicklung/individuelle Förderung
  • Psychopathologie – Grundlagen und Symptome, Basiswissen zu psychischen Erkrankungen
  • Einführung in die Migrationspsychologie – Psychologische Effekte auf Migranten, Ursprungs- und Aufnahmegesellschaft
  • Interkulturelle/kulturvergleichende Psychologie – Analyse kultureller Einflüsse auf psychische Prozesse und Entwicklungen

Modul 8: Fachbezogenes Deutsch
Das Modul Fachbezogenes Deutsch kann ergänzend zu den übrigen Modulen gesehen werden. Die Teilnehmer trainieren und vertiefen in dieser Lerneinheit ihre Deutschkenntnisse bezüglich inhaltlicher Schwerpunkte der Weiterbildung. Dabei werden sowohl die rezeptiven als auch die produktiven Fertigkeiten des Spracherwerbs geschult.

Lernziel ist es durch gezielte Förderung der Deutschkenntnisse den Sprachmittlungsprozess zu optimieren.

  • Schulung der rezeptiven Fertigkeiten Lesen und Hören
  • Schulung der produktiven Fertigkeiten Schreiben und Sprechen
  • Vermittlung von Fachvokabular

Modul 9: Qualitätsmanagement
Qualitätsmanagement bezeichnet alle organisatorischen Maßnahmen, die der Verbesserung der Prozessqualität, der Leistungen und damit den Produkten jeglicher Art dienen. Das Modul umfasst Grundbegriffe, Entwicklungen und Trends des Qualitätsmanagement zunehmende Bedeutung des QMs in allen Organisationen, auch in Institutionen des sozialen Bereichs, gesondert hervorgehoben werden. Der Block schließt ab mit einem Zertifikat der Akademie Futurum Qualitas zum/r Qualitätsmanagementbeauftragten.

  • Grundbegriffe des Qualitätsmanagement
  • Neuerungen, Entwicklungen und Trends im Qualitätsmanagement
  • Anforderungen an die Qualitätsmanagementsysteme
  • Normen, Regelwerke und Entwicklungsrichtlinien für QM-Systeme
  • Ausgewählte Werkzeuge und Methoden des Qualitätsmanagements

Modul 10: Jobcoaching
Am Ende der Weiterbildung erhalten die Teilnehmer ein zweiwöchiges Bewerbungstraining, das sie auf die potentiellen Tätigkeitsfelder als Sprach- und Integrationsmittler vorbereitet.

Im Coaching werden die Teilnehmer dahingehend geschult, ihre sozialen, fachlichen und methodischen Fähigkeiten und Kompetenzen zu reflektieren und gewinnbringend für ihr Berufsfeld einzusetzen. Dabei werden sowohl Anschreiben und Lebenslauf optimiert, als auch das Auftreten im Bewerbungsgespräch trainiert.

Dauer:
18 Monate

Schulungszeiten:
Montag bis Freitag von 9.00-16.00 Uhr

Schulungsort:
Europäisches Integrationszentrum Berlin
Harzer Straße 51-52
12059 Berlin

Anmeldung und Kontakt

Bei Interesse können Sie sich für dieses Schulungsangebot bei uns bewerben. Ihre Unterlagen senden Sie bitte per E-Mail, Fax oder auf postalischem Weg an:

Europäisches Integrationszentrum Berlin
Harzer Straße 51-52
12059 Berlin
eMail: info@eiz-berlin.de

Bitte reichen Sie folgende Unterlagen ein:

  • Anschreiben
  • Tabellarischer Lebenslauf
  • 1 Lichtbild
  • Kopie des Schulabschlusszeugnisses oder des letzten Zeugnisses
  • Kopien der Ausbildungszeugnisse (wenn vorhanden)
  • Kopien der Arbeitszeugnisse (wenn vorhanden)

Anmelde-Formular

Mit unserem Online-Formular können Sie unverbindlich mit uns in Kontakt treten und Ihr Anliegen mitteilen. Das Team der EIZ Berlin wird Ihre Anfrage schnellstmöglich beantworten.